Austrian Biotech Industry - ABI
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Förderung des Marktes für Wagniskapital

Im Jahr 2009 sind weltweit insgesamt mehr als  24 Millarden US-Dollar (ca. 16 Mrd. Euro) im Rahmen von Kapitalmarktfinanzierungen in Unternehmen der Biotech-Industrie geflossen. Privates Kapital war damit einer der wichtigsten Motoren für die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit innovativer Biotech Unternehmen.

 Um Innovation in Beschäftigung und Wirtschaftswachstum umzusetzen ist neben einer funktionierenden Forschungs- und Start-up-Förderung durch staatliche Institutionen der Zugang zu privatem Kapital ein Schlüsselfaktor. Der Zugang zur klassischen Kreditfinanzierung ist den meisten Biotech-Unternehmen aufgrund der langen Produktentwicklungszyklen und der hohen damit verbundenen Risiken verwehrt. Jedoch bietet das enorme Marktpotential erfolgreicher biotechnologischer Entwicklungen auch hohes Renditepotential für risikobereite Anleger. Der Schwerpunkt für Finanzierungen über den Kapitalmarkt liegt bei jungen Biotech-Unternehmen daher in Eigenkapitalfinanzierungsinstrumenten, insbesondere der Beteiligungsfinanzierung durch Venture Capital und über die Aktienaktienmärkte.

Für die Führerschaft von US Unternehmen in vielen Sektoren der neuer Technologien, insbesondere auch der Biotechnologie, war der einfachere Zugang zu Eigenkapital ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Zur Stärkung der österreischen Biotechnologie und anderer innovativer Wirtschaftszweige ist daher die Förderung des Zugangs zu privatem Eigenkapital notwendig.

Junge, innovative und aufstrebende österreichische Biotech-Unternehmen müssen durch maßgeschneiderte Finanzierungsinstrumente in ihrem Wachstum abgesichert und finanziert werden. Ein wichtiger Schritt dahin ist die Förderung der Entstehung starker österreichischer Venture-Capital-Fonds, aber auch die Forcierung zusätzlicher Motivationsanreize bei bestehenden fachspezifischen nationalen und internationalen Fonds, um ein Marktversagen im Bereich der langfristigen Finanzierung der Biotech-Branche zu kompensieren. Der Zugang zu Risikokapital ist für die Biotechnologiebranche von entscheidender Bedeutung. Die Aufstellung und Handhabung dieses Finanzierungsmittels sowohl durch Investoren als auch von Unternehmerseite muss in Österreich noch weiter optimiert werden, um die mittel- und langfristigen Wachstumsmöglichkeiten abzusichern. Anzustreben ist eine Finanzierungskultur, um risikoreiche Innovations- und Investitionsvorhaben zu unterstützen und dadurch Wachstum zu ermöglichen. Die Bereiche Private Equity (PE) und Venture Capital (VC) müssen in diesem Zusammenhang besonderes forciert werden. 

Die internationale Erfahrung zeigt, dass ein funktionierender VC-Markt eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung hochtechnologischer, dynamischer Wirtschaftszweige ist. VC-finanzierte Unternehmen wachsen überdurchschnittlich, schaffen mehr Arbeitsplätze und investieren mehr in F&E; sie sind Träger des technischen Fortschrittes und führen zu Veränderungen in vorgelagerten und verbundenen Branchen. Der volkswirtschaftliche Nutzen eines etablierten VC-Marktes ist nicht zu unterschätzen: In den USA haben VC-finanzierte Unternehmen in den letzten 20 Jahren mit 2% der Industrieinvestitionen 10 % der Exporterlöse und mehr als 10 % der Arbeitsplätze geschaffen.

Die faktische Abwesenheit eines VC-Marktes in Österreich, der eine Finanzierung über eine Startfinanzierung hinaus ermöglicht, ist eine der wesentlichen Ursachen für die relativ schwache Entwicklung der heimischen Biotech-Szene - sowohl nach Anzahl der Firmen als auch und insbesondere nach Anzahl der Arbeitsplätze. Das bedeutet unter anderem, dass das durch die unterschiedlichsten F&E-Institutionen erarbeitete intellektuelle Kapital nicht in jenem Ausmaß in wirtschaftliche und gesellschaftliche Wertschöpfung umgemünzt werden kann, wie das in anderen Ländern geschieht. Es besteht das Risiko, dass nach erfolgreicher Startphase und Investition Werte und Unternehmen in benachbarte europäische Länder oder in die USA verkauft werden und die Effekte für heimisches Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt somit verpuffen.

Als kleines Land mit begrenzten Zuflüssen aus dem dem heimischen Kapitalmarkt sind für viele österreichische Biotech-Unternehmen Kapitalzuflüsse von ausländischen institutionellen Investoren, seien es Venture Capital Fonds oder Anleger in börsenotierten Aktien – entscheidend. Neben der Stärkung der Riskokapitalkultur in Österreich ist die Schaffung stabiler und für internationale Investoren verständlicher Rahmenbedingungen – etwa im Bereich des Gesellschafts- und Börserechts ein wichtiger Erfolgsfaktur für den Biotech-Standort Österreich.Auch die Europäische Union ist sich des Flaschenhalses der fehlenden Wachstumsfinanzierungsmöglichkeiten in Europa bewusst und erlaubt durch den neuen Gemeinschaftsrahmen (staatliche Beihilfen) für Forschung, Entwicklung und Innovation der EU vom 22. November 2006 großzügige staatliche Zuwendungen an junge, innovative Unternehmen zur Überbrückung schwieriger Entwicklungsphasen.

Die Schaffung steuerlicher Anreize für Biotech-Investoren ist in engem Zusammenhang mit der Belebung des Risikokapitalmarktes zu sehen. Ziel muss es sein, ein international kompetitives steuerliches Umfeld für JungunternehmerInnen in der Biotech-Branche und Investoren zu implementieren. Die Befreiung von der Gesellschaftssteuer für Kapitalerhöhungen zur Investition in Forschung und Entwicklung wäre zu überlegen. Auch hier gilt es den Gemeinschaftsrahmen (staatliche Beihilfen)  für Forschung, Entwicklung und Innovation der EU vom 22. November 2006 möglichst auszuschöpfen.

Auch die Beteiligung der eigenen Mitarbeiter am Unternehmen ist in der Biotech Branche ein wichtiger Erfolgsfaktor. Jungen talentierten Wissenschaftern sollte die Möglichkeit geboten werden durch bahnbrechende Erfindungen auch in Österreich am kommerziellen Erfolg des Arbeitgebers zu partizipieren. Ein wichtiges Instrument dafür sind Aktienoptionen, denen in diesem Zusammenhang eine postive Bedeutung für den Wissensstandort Österreich zukommt. Die Mitarbeiter junger, forschungsorientierter Unternehmen gehen in der Regel ein höheres persönliches Risiko verglichen mit der Beschäftigung bei entablierten Unternehmen oder staatlichen Forschungseinrichtungen ein und die Beteiligung am Unternehmenserfolg über Aktienoptionen kann dafür einen Anreiz bieten. Wenn im Zuge der Diskussion um „übertriebene Managerboni“ im Bankenbereich generelle steuerliche Strafmaßnahmen für Einkünfte aus Aktienoptionen erlassen wurden, so wird damiut im Bereich innovativer Wachstumsunternehmen „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet“.

Nicht zuletzt müssen österreichische Biotech-Unternehmen in Ihrem internationalen Wachstum unterstützt werden. Um österreichische Innovationskraft langfristig in Form erfolgreicher Unternehmen im Land zu halten, muss deren internationale Expansion gefördert werden, die in Wachstumsbranchen vielfach wiederum nur über Kapitalmarktmaßnahmen bewerkstelligt werden kann. Das österreichische Aktienrecht setzt dazu im internationalen Vergleich äußerst restriktive Rahmenbedingungen. So ist die Ausgabe neuer Aktien als Gegenleistung für Akquisitionen durch restriktive Bewertungs- und Verfahrungsvorschriften sowie Haftungsregelungen für den Veräusserer derart eingeschränkt, dass österreichische Biotech-Unternehmen bei Akquisitionen im Ausland wesentliche Wettbewerbsnachteile gegenüber ausländischen Mitbewerbern unterworfen sind. 

Forderung und Position der ABI

Eine gesicherte Wachstumsfinanzierung und eine Absicherung der einzelnen Wachstumsphasen ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg bei Jungunternehmen – insbesondere in der Biotechnologie. Der internationale Standortwettbewerb wird in hohem Maße über die Gestaltung des steuerlichen Umfelds ausgetragen. Die Absicherung der Finanzierung über den Kapitalmarkt wird erzielt durch:

  • Rasche Beschlussfassung für das Kapitalmarktstärkunsgesetz, das bereits im Entwurf vorliegt. Freilich benötigt dieses eine Reihe von substantiellen  Anpassungen, damit tatsächlich eine entscheidende Verbesserung der Rahmenbedingungen für VC und PE zustande kommt.
  • Steigerung der Gründungsdynamik durch finanziell besser ausgestattete Instrumente für die oft langfristige und risikoreiche Forschung und Entwicklungsarbeit bei Pharmazeutika
  • Aktivierung des bestehenden Instrumentes der Kapitalgarantie
  • Ausschöpfung des neuen Gemeinschaftsrahmens (staatliche Beihilfen) für Forschung, Entwicklung und Innovation der EU vom 22. November 2006
  • Einführung des „Fund in Funds-Modells“ zur Förderung (eines spezifischen Segments) des Kapitalmarktes durch die öffentliche Hand. Ziel muss es sein, jungen Biotech-Firmen jährlich 200 Mio. Euro am Kapitalmarkt zur Verfügung zu stellen.
  • Steuerliche Anreize für Investitionen in VC-Fonds (ähnlich den Verlustbeteiligungen)
  • Vermeidung der Einführung transaktionsbezogener Steuern (etwa Börseumsatzsteuer) für technologierientierte Unternehmen
  • Internationalisierung des Aktienrechts, Erweiterung des Aktionsspielraums österreichischer Aktiengesellschaften bei der Ausgabe von Aktien zu Akquisitionszwecken
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