Austrian Biotech Industry - ABI im Fachverband derChemischen Industrie Österreichs
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Die Austrian Biotech Industry (ABI) lud zum BIOTECH ZUKUNFTSDIALOG 2010, im Rahmen dessen eine hochkarätig besetzte Expertenrunde unter dem Motto „BIOTECHNOLOGIE. ZUKUNFT GESTALTEN“ gestern im Wiener Palais Harrach diskutierte. Die Biotechnologie gehört weltweit zu den Top-Wachstumsbranchen. Dies bekräftigte Prof. Dr. Tillmann Gerngross eindrucksvoll in seinem Impulsvortrag. Auch Österreich hat verstärkt in die Biotech-Standortentwicklung investiert, die wirtschafts- und wissenschaftspolitischen Rahmenbedingungen entwickeln sich signifikant zum Positiven. Die Diskutanten waren sich einig, dass laufende Investitionen in Forschung, Entwicklung und Ausbildung notwendig sind, damit der Wirtschaftsstandort und die Menschen in Österreich maximal profitieren.
Eröffnet wurde der Diskussionsabend mit einem Impulsreferat von Prof. Dr. Tillman Gerngross. Der gebürtige Österreicher ist Mitbegründer des US-Biotechnologieunternehmens GlycoFi, Inc. sowie Mitbegründer und CEO von Adimab und kann besonders mit GlycoFi auf eine beispielhafte Erfolgsgeschichte zurückblicken. Gemeinsam mit Charles Hutchinson gründete Tillmann Gerngross im Jahr 2000 GlycoFi. 2006 wurde GlycoFi von Me rck um 400 Millionen Dollar vollständig übernommen, das ist die bis heute größte Übernahmesumme eines privaten Biotechnologie-unternehmens. Auch in punkto Gründungsdynamik und Entrepreneurship ist Gerngross ein Paradebeispiel. Dazu Prof. Dr. Tillman Gerngross in seinem Vortrag: „Entrepreneurship bedeutet eine Ausweitung meiner akademischen Laufbahn, die mir erlaubt, die Entdeckung der Grundlagen in einen Bereich zu übertragen, in dem sie einen Wert für die Menschen um mich herum schaffen kann.“ Gerngross kündigte an, im Jahr 2011 auch in Österreich als Gründer tätig zu werden.
Stärkung der naturwissenschaftlich-technischen Ausbildungswege
Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von Ronald Barazon geleitet. BM Dr. Beatrix Karl eröffnete die Diskussion mit einem Blick in die Zukunft der Forschung. „Das 21. Jahrhundert wird das Zeitalter der 'Bio-Ingenieure'. Umso mehr muss es uns gelingen, verstärkt Absolventinnen und Absolventen im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) auszubilden. Die Vermittlung von Naturwissenschaften wie Chemie, Physik, Biologie sowie Mathematik und Technik sind absolute Zukunftsbereiche. Hier schlummert ein innovativer und kreativer Schatz, den wir in Österreich verstärkt bergen müssen", verweist Beatrix Karl auf die von ihr Ende August gestartete MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik)-Informationsinitiative. Prof. Dr. Nikolaus Zacherl, Obmann der Austrian Biotech Industry (ABI), pflichtete BM Dr. Beatrix Karl bei: „Der Bildungsbereich darf nicht vernachlässigt werden. Die naturwissenschaftlichen Fächer müssen wieder attraktiv werden und Neugierde statt Skepsis wecken, was natürlich auch Investitionen in die Schulinfrastruktur bedingt. Ohne qualifizierten Nachwuchs lassen sich die besten Ideen nicht in österreichische Wertschöpfung ummünzen.“
Dass Investitionen in Life Sciences auch für die Wirtschaft fruchtbar sind, zeige die Zahl der akademischen Ausgründungen im Bereich Biotechnologie. „60 Prozent der Biotech-Unternehmen in Österreich haben ihre Wurzeln an der Universität oder vergleichbaren Forschungseinrichtungen. Dabei bewegen sie mehr als die Hälfte des in die biotechnologische Forschung investierten Geldes“, betonte Ministerin Dr. Beatrix Karl weiters.
Wachstum braucht Forschungsförderung
Beispielgebend für eine Biotech-Unternehmensgründung aus österreichischer Sicht ist jene der AVIR Green Hills Biotechnology AG. Das Unternehmen mit Sitz in Wien ist spezialisiert auf die Entwicklung von innovativen Impfstoffen gegen virale Infektionskrankheiten sowie Krebstherapien. „Die Anfänge von AVIR Green Hills sind typisch für eine Start-up-Gründung in Österreich. Die Möglichkeiten und Hilfestellungen für Ausgründungen junger innovativer Start-up-Firmen sind hierzulande gut entwickelt. Die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und die Förderbank AWS stellen dabei im internationalen Vergleich herausragende Unterstützung, sowohl mit Finanzierung als auch mit Know how. Die Forschungsfördereinrichtungen haben in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, die besten Ideen zum Zug kommen zu lassen, die Förderquote für Projekte mit Biotech-Bezug kann sich sehen lassen“, stellte Dr. Joachim Seipelt, Mitbegründer AVIR Green Hills Biotechnology AG, im Rahmen der Podiumsdiskussion fest. Diese Säulen seien für die Finanzierung kompetitiver Entwicklung absolut essentiell und sollten weiter ausgebaut werden, so Dr. Seipelt weiter.
Biotech-Unternehmen durch maßgeschneiderte Finanzierungsinstrumente absichern
Um Innovation in Beschäftigung und Wirtschaftswachstum umzusetzen ist neben einer funktionierenden Forschungs- und Start-up-Förderung durch staatliche Institutionen der Zugang zu privatem Kapital ein Schlüsselfaktor. „Klassische Kreditfinanzierung ist für die meisten Biotech-Unternehmen aufgrund der langen Produktentwicklungszyklen und der hohen damit verbundenen Risiken nicht denkbar“, erläuterte Dr. Joachim Seipelt. Jedoch biete das enorme Marktpotential erfolgreicher biotechnologischer Entwicklungen auch hohes Renditepotential für risikobereite Anleger. Der Schwerpunkt für Finanzierungen über den Kapitalmarkt liegt bei jungen Biotech-Unternehmen daher in Eigenkapitalfinanzierungsinstrumenten. Global gesehen seien dies Beteiligungsfinanzierungen durch Venture Capital und über die Aktienmärkte, in Österreich gesehen seien es eher Privatpersonen, so genannte business angels bzw. family offices.
Die Sandoz GmbH mit Sitz in Tirol verfügt über jahrzehntelange Erfahrung auf dem Gebiet der Biotechnologie. „Diese Erfahrungswerte bilden auch eine wesentliche Grundlage für das zukunftsträchtige Geschäftsfeld der Biosimilars. Dabei handelt es sich um die Nachfolgeprodukte von äußerst komplexen, biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln, so genannten Biopharmazeutika, welche die moderne Medizin revolutioniert haben und häufig die einzige Therapieoption darstellen“, erläuterte Ir. Ernst Meijnders, Vorsitzender der Geschäftsführung der Sandoz GmbH, in seinem Statement. Die Exportquote der Sandoz GmbH beträgt 95 Prozent. „Ein global agierendes Unternehmen wie die Sandoz GmbH benötigt in Österreich zielgerichtete, effiziente Fördersysteme und ausgezeichnete Bildungseinrichtungen. Der internationale Wettbewerb um die besten Ideen und Talente stellen den weiteren Ausbau am Standort Österreich vor große Herausforderungen“, hielt Ir. Ernst Meijnders weiter fest.
Zum Thema internationaler Wettbewerb ergriff auch Prof. Dr. Kurt Zatloukal, Koordinator der europäischen Forschungsinfrastruktur BBMRI an der Medizinischen Universität Graz, das Wort: „Niedrige Arbeitskosten und/oder Rohstoffreichtum verschaffen Ländern in Asien, im Nahen Osten und in Osteuropa eine günstige Ausgangslage im globalen Wettbewerb. Darüber hinaus sind die Schwellenländer längst nicht mehr nur preiswert produzierende Industriestandorte, sondern gewinnen auch als Innovationszentren zunehmend an Bedeutung. China ist laut einem jüngsten UNESCO- Bericht drauf und dran, das forscherreichste Land der Welt zu werden und damit auch die USA zu überholen. Österreich wird hier nur mit verstärkten Anstrengungen im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation mithalten können.“
Vorzeigeprojekt European Biobank Initiative (BBMRI)
Ein Austesten neuer Modelle für Public Private Partnerships wird ein Eckpfeiler für die Umsetzung des Ziels einer Europäischen Union als „Innovation Union“. Die von Österreich geleitete gesamt-europäische Forschungsinfrastruktur BBMRI ist ein Vorzeigeprojekt in dieser Hinsicht. „Im Rahmen dieser Forschungsinfrastruktur wird das Konzept von Expertenzentren entwickelt, die als Public Private Partnerships mit der Industrie aufgestellt werden. Diese Zentren sollen einen Rahmen bereitstellen, in dem öffentliche Ressourcen wie auch Expertenwissen und Technologien von der akademischen Welt und der Industrie miteinander verbunden werden, um kollaborative Forschung zu beschleunigen. Damit sollen z. B. Untersuchungen von Gewebeproben im Ursprungsland unter international standardisierten Bedingungen möglich werden“, erläuterte Prof. Dr. Zatloukal weiter. Dass dieser gesamteuropäische Prozess von Graz aus koordiniert werde, sei eine zentrale Option, um Österreich in der internationalen genetischen Forschung in die Spitzenposition zu bringen.
Handlungsbedarf gegeben, um Innovationsstandort Österreich zu sichern
Österreich überzeugt zwar als Innovationsstandort, aber um die heimischen Beiträge der Forschung im europäischen Spitzenfeld nachhaltig zu platzieren, ist ein Bündel an Maßnahmen, von laufenden Investitionen bis hin zur Verbesserung wirtschafts- und wissenschaftspolitischer Rahmenbedingungen, notwendig. „Gerade Innovation ist zur nachhaltigen Sicherung der Volksgesundheit und des Wohlstands in Österreich ein entscheidendes Kriterium. Um Forschung und Entwicklung auch weiter in Österreich voranzutreiben, sind die Forschungsförderung auszubauen (deutliche Erhöhung der Forschungsprämie und entsprechende Dotierung, insbesondere der Basisprogramme der Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG) und gesetzliche Rahmenbedingungen zu optimieren“, hielt ABI-Obmann Prof. Dr. Nikolaus Zacherl fest.
Podiumsteilnehmer:
Dr. Beatrix Karl - Bundesministerin für Wissenschaft und Forschung
Prof. Dr. Tillman Gerngross - Dartmouth College, USA, Mitbegründer GlycoFi, Inc. sowie Mitbegründer und CEO Adimab
Ir. Ernst Meijnders - Vorsitzender der Geschäftsführung der österreichischen Sandoz GmbH und Leiter der globalen Sandoz Geschäftseinheit Anti-Infectives
Dr. Joachim Seipelt - Mitbegründer Avir Green Hills Biotechnology AG
Prof. Dr. Kurt Zatloukal - Koordinator der National Biobank Initiative BBMRI-AT – Medizinische Universität Graz
Prof. Dr. Nikolaus Zacherl - Obmann der Austrian Biotech Industry (ABI)
Moderation: Ronald Barazon
Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.